Projekte

Eine Auswahl unserer Projekte im Überblick

WOHNGEBÄUDE IM PROFESSOR-BRIX-WEG

Die Herausforderungen des Standortes sind auf den ersten Blick nicht erkennbar. Das Objekt hat es im wahrsten Sinne des Wortes nicht nur in – sondern auch unter sich. Direkt unter dem Gebäude liegt der S-Bahn-Tunnel, der den Jungfernstieg mit dem Bahnhof Altona verbindet. Fast 24 Stunden am Tag verkehren in hoher Frequenz die Züge.
Damit die späteren Mieter in ihren Wohnungen nichts von den S-Bahnen spüren, mussten bei der Konstruktion des Gebäudes verschiedene Modelle durchgespielt werden. Hierzu wurde der S-Bahn-Tunnel von einem Vermesserteam vorab aufgemessen. Alle Daten wurden zu einem 3D-Modell zusammengeführt und ausgewertet.

Das BIM-Ziel war klar definiert: Von der Planung bis zur Fertigstellung sollten keine Probleme mit der Konstruktion und dem darunter liegenden S-Bahn-Tunnel entstehen.

Projektbegleitendes BIM Consulting

Regelbasierte BIM-Überprüfung der Architektur mit der Software Solibri

Datenaustausch über IFC-Dateien

BIM-Gesamtkoordination

Kommunikation der Überprüfungsergebnisse mittels BCF-Dateien an das Autorensystem

Im Jahr 2014 kam ein Hamburger Architekturbüro mit einer ungewöhnlichen Aufgabe auf die GSP zu. Eine Neubauplanung für ein Gebäude im Bereich Altona Altstadt sollte unmittelbar auf einem S-Bahntunnel errichtet werden. Die konstruktive Bearbeitung des Entwurfes hatte ergeben, dass Teile des Gebäudes auf dem Tunnel und andere direkt daneben positioniert werden sollten. Aufgrund anderer Projekte, die zur gleichen Zeit in der Hamburger City realisiert wurden, war das Büro extrem sensibilisiert in unmittelbarer Nähe zu einer Bahnanlage Gründungsarbeiten durchführen zu lassen. Für andere Baustellen wurden seitens der Behörden Sensorsysteme vorgeschrieben, um den Schienenverkehr nicht zu gefährden. Diese Systeme sind sehr kostenintensiv und lohnen sich nur für sehr große Baustellen.

 

Die Frage, die sich aus der Aufgabenstellung ergab, war ob die Gründung des Gebäudes ohne große Probleme realisiert werden konnte. Die örtliche Vermessung als 2D digitaler Plan des Grundstückes war bereits erfolgt. Für den Tunnel gab es keine verfügbaren Informationen wie z.B. Lage und Tiefe, Konstruktionsart etc. Aufgrund der dürftigen Informationen wurde den Bauherren empfohlen ein Vermessungsbüro zu beauftragen, den Tunnel im zu überbauenden Bereich zu digitalisieren. Ziel war es ein aussagefähiges Aufmaß zu erhalten, das zur Überprüfung der Tunnellage genutzt werden konnte.

Die digitale Flurkarte wurde mit dem Tunnel anhand vorher definierter Koordinatenpunkte übereinandergelegt. Diese beiden Informationen wurden zur digitalen 3D Flurkarte zusammengelegt, in die das Gebäudemodell eingebunden werden konnte. Durch die Standortbestimmung konnten die Bereiche definiert werden, in denen es möglich ist eine Pfahlgründung niederzubringen. Der minimale Abstand zum Tunnel betrug in diesem Fall ca. 2,40 m – bei einer Pfahldicke von ø 80 cm. Aufgrund der Länge der einzelnen Pfähle – ca. 15m – konnte schon eine geringe Abweichung zur Beschädigung des Tunnels führen. Das Tiefbauunternehmen, das mit der Gründung beauftragt wurde, konnte für die Bohrpfähle und deren Ummantelung auf die neu gewonnenen Daten zurückgreifen und die Bohrungen entsprechend positionieren. Aufgrund der Bearbeitung waren teure Schürfungen und zeitaufwändige Sondierungen des Baugrundes nicht erforderlich.

Zusätzlich zu dem Einsatz des Gebäudemodells für die Bauwerksgründung wurden noch weitere Schritte vor dem Bau visualisiert. Die Enge im Bereich des Gebäudes zum Vorderhaus führt zur Verschattung notwendiger Fenster. Um den Nachweis zu erbringen, dass die Sonne in diesem Bereich sichtbar ist und es keine Dunkelzonen gibt, wurde das 3D Modell für eine Sonnenstandssimulation genutzt. Verschiedene Tage im Winter, Sommer, Herbst und Frühjahr zu verschiendenen Tageszeiten wurden dafür berechnet. Diese Berechnungen konnten als Filme gesichert werden und bei der finalen Abstimmung mit der Baubehörde präsentiert werden.

Für das Architekturbüro war die Unterstützung des Projektes ein echter Lerneffekt! Während bei früheren Projekten gern auch mal bis zur buchstäblich letzten Sekunde alles „offen“ blieb, wurde bei diesem Projekt bereits in der ersten Planungsphase voll auf 3D und BIM gesetzt. Der Mehraufwand in der Bearbeitung, der teilweise zusätzlich Arbeitsschritte notwendig machte und zu deutlich längerer Bearbeitungszeit führte, konnte durch die hohe Planungssicherheit, die Kostenermittlung direkt aus dem Gebäudemodell sowie dem Zusatznutzen – Sonnenstand und Visualisierung – gerechtfertigt werden. Wenn auch nicht alle zukünftigen Projekte von dem AB als „BIM Projekt“ bearbeitet werden, so ist zumindest allen Projektbeteiligten klar geworden, welche Richtung die Digitalisierung im Bauwesen einschlagen wird – welche veränderten Anforderungen und Berufsbilder mit der Einführung des „BIM Prozesses“ einhergehen werden.